Alisa gehört zu jenen Bands, die Anfang der 80er im legendären, damals noch Leningrader, Rockclub „Rubenstein“ (benannt nach der Strasse auf der sich der Club befand) gegründet wurde. Die Band musste sich lange Zeit gegen verschiedene Vorurteile und Vorwürfe wehren, wie dem Faschismus, Antikommunismus und der Verrohung der Jugend. Diese Vorwürfe waren erfunden, da die Band der damaligen sowjetischen Regierung ein Dorn im Auge war. Sowohl das Leningrader KGB als auch die Miliz versuchten immer wieder Auftritte der Band zu verhindern. Vor allem Auftritte dieser Band waren für die damalige Zeit ungewöhnlich, weil sich die Band am europäischen Punk orientierte, wobei es musikalisch klar Richtung Hard Rock ging. Trotz allem konnte sich die Band durchsetzen und gehört heute zu den ganz großen im russischen Rock.
Gegründet wurde die Band im Jahre 1983 in Leningrad (heute St. Petersburg) aus Musikern der Bands „Demokritow Kolodez“ und „Hrustalnyj Schar“ zwei völlig unbekannte Bands, die mangels Perspektive eine neue Band erschufen, welche sie nach dem Spitznahmen ihres Bassgitarristen Swjatoslaw Saderija „Alisa“ nannten.
Zu diesem Zeitpunkt bestand Alisa aus folgenden Mitgliedern:
- Swjatoslaw Saderija (Bass, Gesang)
- Andrej Schatalin (Gitarre)
- Pawel Kondratenko (Keyboard)
- Michael Nefedof (Schlagzeug)
- Boris Borisow (Gesang, Saxophon)
Die Band nahm zwei Alben auf, die zwar viel versprechend waren, aber außerhalb der Leningrader Rockszene kaum Beachtung fanden.
Richtig in Bewegung kam Alisa erst, als die Band einen neuen Sänger aus Moskau zu sich holte, einen jungen Sänger Namens Konstantin Kintschew. Dieser ersetzte den alten Sänger, was für die Band eine schicksalhafte Veränderung war. Ab jetzt ging es steil nach oben.
Alisa nahm an dem „Dritten Festival des Rockclubs“ teil und gewann ihn, was für einen Newcomer ein großer Erfolg war. Kintschew war kein Unbekannter gewesen, da er bereits das Album „Nerwnaja Notsch (dt. Nervöse Nacht)“ mit der Band „Stil“ aufgenommen hat.
Eine zweite schicksalhafte Veränderung führte dazu, dass der Gitarrist Andrej Schatalin sein Diplom bekam und die Band verlassen musste, um im Baltikum zu arbeiten. Um seinen Posten beworben sich zwei Gitaristen Petr Samoilow und Andrej Wasilew. Die Band entschied sich für Petr Samoilow, da er, anders als Andrej Wasilew, auch selber Texte schrieb.
Andrej Wasilew wurde später mit der Band DDT berühmt, die auch auf Tour mit Alisa war.
1985 nahm Alisa ihr erstes Album „Energija (dt. Energie)“ auf. Das Album wurde zunächst auf Tapes verbreitet und war nur einem geringem Publikum zugänglich. Erst 1987 wurde das Album auf Schallplatte veröffentlicht und mehr als 1 Million mal verkauft.
1986 macht Alisa eine große Tour durch die Sowjetunion und nimmt an dem „Vierten Festival des Rockclubs“ teil. Einige Songs werden in Kinofilmen verwendet und der Bekanntheitsgrad der Band wächst immer weiter. Gleichzeitig werden auch die Probleme mit den Behörden größer, die der Band eine Antikommunistische Haltung vorwerfen. Tatsächlich lassen sich kritische Inhalte gegen den Sozialismus wiederfinden, was die Band auch nicht verleugnet.
Die Zeitung „Smena (dt. Wechsel)“ bringt eine Reihe von Artikeln über Alisa heraus, in der sie die Band und vor allem Konstantin Kintschew des Faschismus beschuldigen. Darüber hinaus soll die Band die Menschen dazu verführen, sich nicht mehr an die Gesetze zu halten.
Man muss wissen, dass die Medien in der Sowjetunion damals alle staatlich waren und sämtliche Artikel erst von der Regierung abgesegnet werden mussten, eher sie veröffentlicht wurden. Die Artikel waren also eine Kriegserklärung der Leningrader Behörden an den Russischen Rock und in dem Fall an die Band Alisa.
Es kam zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung, die Konstantin Kintschew aber gewann. Die Zeitung musste sich öffentlich Entschuldigen.
Die musikalischen Differenzen wurden aber auch in der Band selber größer und so verschwand kurz vor einem Auftritt der Bassist Swjatoslaw Saderija. Dieser wurde kurzfristig durch Igor Tichomirow aus der Band Kino ersetzt (später wurde er Bassist bei DDT).
Nach dem Saderija wieder aufgetaucht war, hat man ihn wieder in die Band geholt. Da er aber immer unverlässlicher wurde, packte er eines Tages die Sachen und Gründete eine neue Band „HATE!“, dessen Name Kintschew ausgedacht hatte.
Nach dem Saderija die Band verlassen hatte, kehrte Andrej Schatalin in die Band, Petr Samoilow stieg von der Gitarre an den Bass um und für die zweite Gitarre holte man Igor Tschumeitschin.
Nach allen Veränderungen sah die Besetzung der Band folgendermaßen aus:
- Konstantin Kintschew (Gesang)
- Pjetr Samojlow (Bass)
- Andrej Schatalin (Gitarre)
- Pavel Kondratenko (Keyboard bis 1989)
- Andrej Korolew (Keyboard nach 1989)
- Michael Nefedof (Schlagzeug)
- Alexei Schurawljew (Saxophon)
- Igor Tschumitschkin (Gitarre)
1987 wurde das Zweite Album „BlokAda“ (dt. ein Wortspiel aus den Worten Block und Hölle Blokada ist jedoch auch ein Wort für sich selsbt und heißt Blokade).
Das Album wurde deutlich „härter“ als Vorgänger und ging in Richtung Hard Rock. Das Album wurde trotz seiner Komplexität in nur drei Tagen aufgenommen.
1989 wurden gleich zwei Alben aufgenommen „Schestoj Lesnitschij“ (dt. Der Sechste Förster) und der halbakustische „206 tsch.2“. „Schestoj Lesnitschij“ gilt als ein legendäres Album und viele Fans sind der Meinung, dass das das beste Album der Band ist. Das Album „206 tsch.2“ gilt als ihr schlechtestes und wurde erst fünf Jahre später veröffentlicht, die Songs wurden auch sehr selten Live gespielt. Ein Paradox, da beide Alben fast gleichzeitig aufgenommen wurden.
Das nächste Album sollte unbedingt ein Live Album werden. Ein Teil der Songs wurden im Studio eingespielt und ein paar Songs sind Aufnahmen vom Konzert am 28.10.1990 in Moskau. Das Album heißt „Schabasch“ (Hexentanz).
Bei dem kommunistischem Putsch im August 1991 half Kintschew mit das Regierungsgebäude zu verteidigen, wofür er später ausgezeichnet wurde. Trotzdem versuchte die Polizei die Auftritte zu sabotieren, was ihnen nie gelungen ist.
Im selben Studio, wo bereits „Schabasch“ aufgenommen wurde, spielte Alisa den Nachfolger „Dlja Tech, Kto Swalilsja S Luni“ (dt. Für die, die vom Mond gefallen sind) ein.
„Dlja Tech, Kto Swalilsja S Luni“ war ein mystisches Album. Er wurde von der politischen Situation Russlands beeinflusst: Zerfall der Sowjetunion, Demokratie, Versuchter Putsch der kommunistischen Hardliner etc. Der Titel und der gleichnamige Song ist eine Anspielung auf die Funktion der Band Alisa in der russischen Gesellschaft. In dem Lied heißt es: „Ich singe wieder für die, die vom Mond fallen“, Kintschew sieht sich und die Band als Aufklärer der Nation, in dem er Songs schreibt und singt, die auf den politischen Umbruch in Russland hinweisen. Man muss an dieser Stelle klar sagen, dass Kintschew weder ein politischer Moralapostel war noch wollte er seine Fans auf irgendeine Seite stellen. Im Gegenteil, im Song „Smutnii Dni“ (dt. Trübe Tage) wird klar, dass er darauf hinweisen will, dass man sich für eine Seite entscheiden muss, aber die Menschen klug genug sind, es selber zu entscheiden.
Am 12. April 1993 begeht der Gitarrist Igor Tschumitschkin Selbstmord, was für die Band ein großer Schock war und sie spielt fast ein Jahr keine Konzerte. Das Album „Tschernaja Metka“ (dt. Schwarze Zielscheibe) wurde ein Andenken an Igor Tschumitschkin und beinhaltet vier von ihm verfasste Songs. Die anschließende Tour führte durch ganz Russland und die Band feierte ihr zehnjähriges Bestehen.
1995 kamen die Live Alben „Akustika Tschast 1“ (dt. Akustik Teil 1), welches bereits 1988 aufgenommen wurde und „Alisa Na Schabalowke“ (dt. Alisa auf der Schabalovka).
Ebenfalls 1995 fingen die Arbeiten an einem neuen Album, welches 1996 fertig wurde und den Namen „Jazz“ trägt ein eher akustisches Album, das auf poetische Songs setzt.
Das Jahr 1997 fängt mit einer großen Tour „Rock ’n’ Roll Eto Ne Rabota“ (dt. Rock ’n’ Roll ist keine Arbeit). Ende des Jahres präsentiert die Band das Album „Duren“ (dt. Idiot).
1997 wird auch das Live Album „Akustika Tschast 2“ (dt. Akustik Teil 2) veröffentlicht.
1998 nehmen Kintschew und der Musiker Alexander Akcenow gemeinsam das Album „Geopolitika“ (dt. Geopolitik) auf. Das Album beinhaltet eine neue Variante der bekanntesten Songs von Alisa. Dieses Album findet man nicht in der offiziellen Diskografie der Band Alisa, „Geopolitika“ gilt als ein Solo Projekt von Kintschew. In diesem Jahr verlässt der Gittarist Ponamarow die Band und wird durch Ewgenij Lewin ersetzt.
Das ganze Jahr 1999 arbeitet Alisa an ihrem elften Album, dass 2000 veröffentlicht wird.
Das Album heißt „Solnzeworot“ (dt. Sonnenwende) und etabliert die Band endgültig als eine der legendärsten Rockbands Russlands. Kintschew bezeichnet dieses Album als sein Lieblingsalbum. Im selben Jahr veröffentlicht Alisa das Live Album „Akustika Tschast 3“ (dt. Akustik Teil 3).
2001 kommt das Album „Tanzewat“ (dt. Tanzen).
2003 und 2005 kommen die Alben „Sejtschas Posdnej, Tschem Ti Dumaesch“ (dt. Es ist jetzt später, als du denkst) und „Isgoj“ (dt. Verstoßener) heraus. Beide Alben unterscheiden sich sehr stark von allen Vorgängern. Sie beinhalten religiöse Songs und die Band macht wieder härtere Musik. Diese zwei Alben sind sehr persönlich z. B. in dem Song „Sweri“ (dt. Tiere) verarbeitet Kintschew seine Gefühle, die er nach dem terroristischen Anschlag in Beslan erlebte.
Zur Zeit macht Alisa eine Welttour, die auch durch Deutschland und die USA führt.