Bands || "Kino" || ► Geschichte

Die ganze Geschichte begann im Sommer 1981, als sich Viktor Zoy (er spielte damals in der Band „Palata Nr. 6“ – „Kammer Nr. 6“) und Alexej Rybin (spielte in der Band „Piligrimmy“ – „Pilgers“) zusammenschlossen und eine Band Namens „Garin i Giperboloidy“ – „Garin und Hyperboloids“ bildeten. Oleg Valinskij war zu der Zeit der dritte Mitglied. Die ersten Songs von Zoy konnte man schon in den Jahren 1980-81 in der Wohnung von „Svinja“ – „Sau“ (Andrej Panov – erster  Punk im St. Petersburg) hören oder in Moskau auf einigen Punk-Konzerten. In derselben Zeit hat BG (Boris Grebenschikov – bekanntester russischer Komponist, Dichter und Rocker) Zoy das erste Mal gehört und sofort seine Hilfe angeboten. Später verlass Oleg Valinskij die Band, weil er in die Armee musste. Herbst und Winter 1981 vergingen in Proben, kleinen Konzerten in Wohnungen und in Reisen nach Moskau. Im Frühling 1982 änderte die Band den Namen auf „Kino“. Etwas später nahm die Band zusammen mit BG und seiner Band „Aquarium“ ihr erstes Album im Studio von Andrej Tropillo auf. Das Album heißt „45“, weil alle Songs ca. 45 Minuten dauern.

Auf dem ersten Auftritt spielte die Band nonstop und während des Song „Kogda-To Ty Byl Bitnikom“ – „Einst, als du ein Beatfan warst“ sprangen BG, „Mike“ (Michail Naumenko - Lieder der Band „Zoopark“) und „Sau“ mit Instrumenten aus den Kulissen raus und machten einen tollen Happening. Später nahm „Kino“ noch ein paar Lieder im Studio von Andrej Tropillo auf.

Am 19. Februar 1983 hatte die Band ihr erstes „großes“ elektrisches Konzert zusammen mit „Aquarium“ im Leningrader Rock-Klub. Später kam Jurij Kasparjan als Solo-Gitarrist in die Band. Rybin verlässt die Band wegen Meinungsverschiedenheiten mit Zoy. In dieser Zeit nehmen Zoy und Kasparjan etwa 10-15 Songs auf und aus diesen Aufnahmen entsteht das zweite Album „46“, besser gesagt das Demotape von dem zukünftigen Album „Natschalnik Kamtschatki“ – „Chef von Kamtschatka“.

Im Februar 1984 heiraten Zoy und Marianna. Das war ein großes Ereignis. Die damals Eingeladenen erinnern sich immer noch an diese Hochzeit. Im Frühling eröffnete die Band das zweite Rock-Klub-Festival mit dem Song „Bezjadernaja Zona“ – „Atomfreie Zone“ und wurden unter anderem die Preisträger. Zoy schreibt eine ganze Menge Songs, weshalb die Band im Sommer 1984 beginnt ein neues Album aufzunehmen – den „Chef von Kamtschatka“. Außer der Bandmitglieder machen noch BG, Kurechin, Troschenkov und Gakkel mit – die große Musiker-Bruderschaft von Petersburg.

Im März 1985 auf dem 3. Rock-Klub-Festival wurde die Band das zweite Mal Preisträger. Man wollte Songs mit einem modernen Musikstil a lá „Duran Duran“ aufnehmen. Das neue Album „Notsch“ – „Die Nacht“ klappte nicht so richtig. Infolge dessen macht die Band dieses Album nicht zu Ende und nimmt im Laufe einer Woche in einem Studio von Alexej Vishnja das Album „Eto Ne Ljubov“ – „Dies ist keine Liebe“ auf. Titov nimmt an einem Tag Bass auf und macht sich aus dem Staub – er musste mit seiner Band „Aquarium“ auf  Konzert gehen. Im Herbst 1985 war das Album bereits fertig. Im Januar 1986 kommt auch „Die Nacht“ raus. Parallel wächst die Popularität der Band und im Frühling, auf dem 4. Rock-Klub-Festival in einem 1000-Plätze Raum DK „Nevskij“, bekommt die Band ein Diplom für die besten Songs – „Hotschu Peremen“ – „Ich will Veränderungen“ und „Dalsche Dejstvovat Budem My“ – „Weiter werden wir handeln“.

Im Sommer fahren alle Mitglieder nach Kiew, um dort den Film „Konez Kanikul“ – „Das Ende von den Ferien“ zu drehen. In Juni spielt die Band im Moskauer DK „IIT“ zusammen mit den damals bekanntesten Rock-Bands der damaligen Sowjetunion „Aquarium“ und „Alisa“ auf einem Niveau. Später erscheint in den USA ein Sampler „Red Wave“, wo alle drei Bands + „Strannye Igry“ zu hören sind. Das war der erste echte „Russische Rock Sampler“ in den USA. Im Herbst findet Zoy einen Job in „Kamchatka“ – „Kamtschatka“ – einem Kesselraum, wodurch er mehr Zeit für die Band findet. Dort filmt Raschid Nugmanov einen Studenten-Kurzfilm „Jja-hha“ und später Alexej Utschitel den Film „Rock“.

Herbst und Winter verbringt Zoy in Jalta, dort dreht Sergej Solovjev  den Film „Assa“. Der Frühling 1987 war voller Ereignisse – Premiere von „Assa“ im DK „MELE“, letzter Auftritt auf dem Rock-Klub-Festival (Band erhielt einen Preis „Za Twortscheskoe Sowershennoletie“ - „Für die Schaffensvolljährigkeit“), es findet die erste Auslandsreise nach Frankreich. Zur gleichen Zeit beginnt die Band das Material für das neue Album „Gruppa Krovi“ - „Blutgruppe“ zu sammeln und in einem Portostudio „Yamaha MT 44“ aufzunehmen.

Im Herbst 1987 fliegt Zoy nach Alma-Ata (heutige Almaty) um dort einen neuen Film zu drehen – „Igla“ – „Nadel“. Damit bricht „Kino“ alle Konzerte ab, macht aber das Album „Blutgruppe“ zu Ende, dessen Erscheinung zusammen mit dem Film „Nadel“ eine echte „Kinomanie“ auslöst. Im  ganzen Land fangen die Triumphgastrollen von „Kino“ an - Tausende von Menschen auf jedem Konzert.

Am 16. November 1987 in „Luzhniki“ während des Konzerts zum Andenken an den  gestorbenen Alexander Baschlatschev machen die Zuschauer alle Stühle auf dem Porter nieder. Obwohl die Administration ein scheußliches Verhalten zeigte, bringt Zoy das Konzert würdig zum Ende. Dafür durfte die Band ein Jahr lang nicht in Moskau spielen.

Im Herbst 1988 nimmt die Band ein Demotape in der „Yamaha MT 44“ Studio und am 21. – 30.12.1988 und 03.–10.01.1989 die endgültige Variante von „Zvezda Po Imeni Solnze“ – „Stern  mit dem Namen Sonne“ auf. Das Album erscheint allerdings erst im Herbst. Im Sommer fahren Zoy und Kasparjan in die USA, während „Nadel“ den zweiten Platz von den meist gezeigten sowjetischen Filmen erreicht. Zoy wird als bester Schauspieler 1989 anerkannt. Anfang 1990 vergeht in ständigen Konzerten und Auslandsreisen, darunter nach Japan.

Im Sommer, nach den ermüdenden Konzerten, die mit einem großen Auftritt in „Luzhniki“ beendet wurden, macht die Band eine Pause. Zoy und Kasparjan nehmen mit Akustikgitarre  neues Material für das neue Album in Jurmala (Lettland) auf.

Am 15. August 1990 um 12:28 Uhr stirbt Viktor Zoy bei einem Autounfall. Er kam gerade vom Fischfang und war nicht betrunken. Er war wahrscheinlich müde und ist eingeschlafen, so die Untersuchung. Doch das glaubt kaum einer. Man hat nicht mal seine Leiche gefunden (das gesamte Auto war total verbrannt), doch das Demotape, das Zoy und Kasparjan vor einem Tag aufgenommen hatten, hat man im Auto gefunden. Man fragt sich, wie ist das Demotape erhalten geblieben? Vielleicht ist der Unfall nur eine fein geplante Täuschung? Niemand weiß es und niemand weiß, ob Zoy wirklich tot ist. Auf jeden Fall haben Jurij Kasparajn – (Solo-Gitarre) und Igor Tihomirov (Bass) das Album zu Ende gemacht. Das Album erschien am Ende des Jahres und hieß „Tschjernyj Albom“ - „Das schwarze Album“, weil der Umschlag, von dem im verbrannten Auto gebliebenen Demotape, schwarz war. „Kino“ gewann zu dieser Zeit in jeder (!) Hitparade den ersten Platz, Hauswände in dem ganzen Land waren mit Sprüchen wie „Kino“ und „Zoj schiv“ - „Zoy lebt“ beschmiert, doch die Geschichte der Band ist beendet, es ist nur eine schöne Legende von dem „Letzten Helden“ – Viktor Zoy und von seinen Liedern und Filmen geblieben. Viktor Zoy ist der russische Elvis Presley, Kurt Cobain oder andere Künstler und Musiker, die vorzeitig gestorben sind und Legenden wurden. In seinen 29 Jahren hat er sehr viel für viele Menschen gemacht. Seine Lieder sind immer noch im russischen Radio zu hören, obwohl die schon über 10-15 Jahren alt sind. Es gibt Tausende von Fanseiten im Internet. Fast jeden Tag stehen einfache Menschen vor der „Zoy-Wand“ auf dem Arbat (bekannteste Straße in Moskau).

Entnommen aus der Zeitschrift "Stereo & Video" № 8/98 (1998), übersetzt und überarbeitet von Jörg Steinhauer