Nautilus Pompilius gehört zu jenen Bands, die die Zeit der Perestroika musikalisch stark beeinflusst haben. Ähnlich wie die Bands DDT, Alisa und Kino waren ihre Songs Hymnen in einer unsicheren Zeit der Perestroika und auch nach dem Zerfall der Sowjetunion beeinflussten sie ganze Generationen. Die Band durchlebte schwierige politische Zeiten, musikalische Veränderungen und oft wechselnde Bandbesetzungen (ganze 20 Musiker in der Band Geschichte) und trotzdem wurde die Band zu einer der Erfolgreichsten Band in der Sowjetunion.
Die einzigen echten Konstanten waren der Sänger und Gitarrist Wjatscheslaw Butusow und der Produzent Ilja Kormilzew, der 65% der Songs geschrieben hat. Nautilus Pompilius, kurz „Nau“ genannt, existierte von 1982 bis 1997 und veröffentlichten 15 Studioalben und 6 Live Alben.
Offiziell gegründet wurde die Band 1982 von Wjatscheslaw Butusow und Dimitri Umezkowo. Die eigentliche Gründung war jedoch vier Jahre früher. 1978 gründeten die Architektur-Studenten Wjatscheslaw Butusow und Dimitri Umezkowo gemeinsam die Band „Mednij Tas (dt. Der kupfernde Becken)“. Zu der Band gehörte noch der Schlagzeuger Igor Gontscharow. Der Ursprung des Namens „Mednij Tas“ ist folgender: Umezkowo und Gontscharow fanden auf einem Schrotplatz ein Becken aus Kupfer, den sie anstelle eines Schlagzeuges benutzten. Zeitzeugen berichteten, dass die beiden grausam schlecht waren, aber auch durchaus mutig. "Mednij Tas" ist die Vorgängergruppe des 1982 gegründeten Nautilus Pompilius.
Bis 1982 spielte die Band in Diskotheken vor allem Cover europäischer und amerikanischer Rock Bands, wie Led Zeppelin und Eagles.
Die Band war alles andere als professionell - im Gegenteil - für alle Mitglieder war die Musik nur ein Hobby und keiner hatte vor, professioneller Musiker zu werden - an erster Stelle stand für alle das Architektur-Studium. Butusow war ein sehr talentierter Architekt und als er Jahre später professioneller Musiker wurde, fanden viele, dass ein großer Talent verloren geht.
1982 wird die Band Nautilus Pompilius gegründet. Anfangs war man sich unsicher, wie der Bandname lauten soll - man eignete sich schließlich auf „Nautilus“. Erst 1985 wird der Bandname auf „Nautilus Pompilius“ erweitert, da man befürchtete, es könnte zu Verwechslungen kommen, da zu diesem Zeitpunkt etwa ein Duzend weitere Band den Namen "Nautilus" trugen.
1982 und 1983 werden die Alben „Perejesd I (dt. Umzug I)“ und „Perejesd II (dt. Umzug II)“ veröffentlicht, damals noch unter dem Namen "Nautilus". Die Qualität der Aufnahmen lässt zu wünschen übrig, aber die Band ist trotzdem mit dem Ergebnis zufrieden. Im Jahre 1983 gibt es den ersten Bandwechsel - Igor Gontscharow verlässt die Band und wird durch Alexander Sarubin ersetzt.
Das Album „Newedimka (dt. Unsichtbarer)“ wird 1985 veröffentlicht, dieses Album markiert eine deutliche musikalische Veränderung. Die Band ändert ihren Stil in Richtung Leningrader Rockbands wie DDT, Kino und Alisa. Der Co Produzent Ilja Kormilzew, der die meisten der Songs geschrieben hat, darunter ihre größten Hits wie „Good Bye Amerika“, schreibt für die Band Songs, die gut zu der politischen Situation in der Sowjetunion passen.
Den kommerziellen Durchbruch erreichte die Band erst mit dem nächsten Album „Rasluka (dt. Trennung)“. Mit dem Album fängt die Band auch mit einem neuen Image an - die Band trägt militärische Uniform und Schminke. Nach sehr erfolgreichen Auftritten 1987 an verschiedenen Festivals, bestätigte Nautilus Pompilius, dass sie auch zu den ganz starken Live-Bands gehören. Mit dem Album Rasluka und den erfolgreichen Auftritten bestätigte „Nau“ ihren Anspruch, zu den besten Rock Gruppen der Sowjetunion zu gehören.
Den Höhepunkt der Karriere erreicht „Nau“ 1988. Nach einer großen Tour durch die Sowjetunion und einigen Auftritten im Ausland wurde das Album „Knjas Tischini (dt. Fürst der Stille)" veröffentlicht. Bei dem Album handelt es sich um neu aufgenommene Songs aus den beiden vorherigen Alben und ein paar neuen Stücken, die es bisher nur Live zu hören gab. Außerdem spielte Nautilus Pompilius in dem finnischen Film „Serp i Gitara (dt. Sichel und Gitarre)“ mit, wo es um den sowjetischen Rock ging.
Wie bei allen großen Bands, so kommt auch „Nau“ nicht ohne Krisen aus. Die größte von ihnen ereignete sich Ende 1988. Grund dafür waren die endlosen Touren, der unerwartete kommerzielle Erfolg und die ständigen Probleme mit dem Größer werden des russischen Musik-Business. Höhepunkt der Krise war der Ausstieg des Gründungsmitgliedes Dimitri Umezkowo. Nach dem Wjatscheslaw Butusow von den ständigen Streitigkeiten innerhalb der Band genug hatte, löste er die Band auf und gründete sie mit neuen Mitgliedern neu.
1989 versuchte Wjatscheslaw Butusow die Probleme mit dem Ex-Mitglied Dimitri Umezkowo aus der Welt zu schaffen, um das nächste Album mit ihm gemeinsam aufzunehmen.
1989 veröffentlichte „Nau“ das Album „Tschelowek Bes Imeni (dt. Mensch ohne Namen)“ mit einigen Gastmusikern wie Alexander Belajew (Gitarre) aus der Band „Telewisor (dt. Fernseher)“ und Igor Dozenko (Schlagzeug) aus der Band „DDT“.
Nach der Aufnahme des Albums kommt es wieder zu einem Streit zwischen Wjatscheslaw Butusow und Dimitri Umezkowo, man ist sich weder um die Veröffentlichung des Albums noch um die allgemeine Zukunft der Band einig. Dieses mal trennen sich die beiden endgültig und für immer. Das Album „Tschelowek Bes Imini (dt. Mensch ohne Namen)“ wird erst sechs Jahre später veröffentlicht.
1989 sollen Butusow und Kormilzew eine Prämie des Leningrader Komsomol bekommen, Kormilzew weigert sich jedoch die Prämie anzunehmen, da er es für falsch hielt, eine Prämie von einer Organisation anzunehmen, die Rockbands und Musikern Probleme bereiten, Butusow kommt nicht zu der Verleihung und überweist das Geld an einen Fond gegen Welthunger und an einen Waisenhaus in seiner Heimatstadt.
Ende 1989 zieht Butusow endgültig nach Leningrad um und fängt an, eine neue Besetzung für seine Band zu suchen. Mit der neuen Besetzung ändert Butusow den Stil seiner Band von eher ruhigen Keyboard und Saxophon dominierten Musik zu harter E-Gitarren Rockmusik.
Die Fans, die die neue Ausrichtung der Band kritisch gegenüber stehen, wollen eine Rückkehr zu den alten Zeiten.
Doch nach den Veröffentlichung der Alben „Naugad (dt. Auf gut Glück)“ im Jahre 1990 und „Tschuschaja Semlja (dt. Fremdes Land)“ im Jahre 1992 kommt der große Erfolg der Band zurück. Die Songs „Progulki Po Wode (dt. Sparziergänge auf dem Wasser)“ und „Na Beregu Besimjannoj Reki (dt. Auf dem Ufer des namenlosen Flusses)“ werden zu den ganz großen Erfolgen und gelten als ihre größten Hits der post-sowjetischen Ära. Ihre Songtexte werden weniger politisch und sozial, sondern mehr philosophisch, esoterisch und religiös, verlieren aber nicht ihre Eindringlichkeit und Aktualität.
Zum Ehren ihres 10-jährigen Jubiläums wird die erste Tribut-CD in der Geschichte Russlands veröffentlicht - verschiedene Musiker, größtenteils aus Leningrad und einige „Nau“ Mitglieder, spielen Songs aus den Jahren 1983 bis 1993 ein.
Nach dem 10-jährigen Jubiläum gibt es wieder Streit unter den Mitgliedern, sodass im Anschluss der Aufnahmen der Demo-Version des neuen Albums „Titanic“ die Gitarristen Egor Belkin und Alexander Beljaew die Gruppe verlassen. Das Album wird mit Hilfe von Musikern der Band „Aquarium“ fertig gestellt.
1995 wird das Album „Krilja (dt. Flügel)“ veröffentlicht. Das Album gilt als der schlechteste in Bandgeschichte und auch die Musiker sind der Meinung, dass die Aufnahme eine Qual war.
1996 gibt die Band eine Menge akustischer Konzerte, bei denen sie auch viele der ganz alten Songs spielen. Nach dieser erfolgreichen Tour wird in England das Album „Jablokitai (dt. ein Wortspiel aus den Worten Apfel und China)“ aufgenommen, gleichzeitig wird das Album „Atlantida (dt. Atlantis)“ aufgenommen, auf dem ältere Songs aufgenommen wurden, die aus verschiedenen Gründen nicht auf frühre Veröffentlichungen erschienen. Nach den Veröffentlichung 1997 löste Butusow Nautilus Pompilius auf, weil er der Meinung war, dass er mit der Band alles erreicht hat, was er nur konnte und er einen künstlerischen Stillstand befürchtet. Nach 1997 startet Butusow eine erfolgreiche Solo-Karriere, wobei er sich musikalisch nie weit von „Nau“ entfernt. Live spielt er immer noch größtenteils alte „Nau“-Songs. 2003 und 2004 reanimiert Butusow Nautilus Pompilius für zwei Festival-Auftritte. 2006 stirbt der Produzent Ilja Kormilzew, der 65% der Songs geschrieben hat, und de facto ein Mitglied von Nautilus Pompilius war.
2006 macht Butusow eine Welttournee durch die frühere Sowjetunion, USA und Europa, wobei er sechs Auftritte in Deutschland macht.
Stand: Juli 2010
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